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    Startseite [ver. 03.04.03) vom [2005-11-23]  © 1996-2007 copyright by Verlag Ralph Tegtmeier Nachf. URL: http://confidenz-depesche.com Seitenende






    Rezensionen

    Fremdwörter hochaktuell


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    Friedhelm Hübner [Hrsg.]:
    DAS GROSSE FREMDWÖRTERBUCH.
    Rund 30 000 Fremdwörter mit Erläuterungen zu Bedeutung, Grammatik, Aussprache und Trennung

    München: 1999, 688 Seiten, Humboldt-Taschenbuchverlag (Reihe: Sprachen 1128)
    DEM 19,90
    ISBN: 358167128x

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    (rt) Gute Referenzwerke kann man bekanntlich gar nicht genug im Bücherschrank haben, und auch dieses gehört zweifelsfrei dazu: Es handelt sich um die Taschenbuch-Lizenzausgabe des im Hardcover in Originalfassung bereits 1989, später dann noch einmal in überarbeiteter Form 1998 bei Langenscheidt erschienenen Werks. Im Gegensatz zu diesem bietet es allerdings eine Menge mehr fürs Geld, denn mit unter DEM 20 darf der Titel als ausgesprochen günstig gelten.

    Es wäre unbillig zu erwarten, daß die im Vergleich zu elektronischen Medien recht träge, schleppende Buchproduktion mit der immer rasanter verlaufenden Sprachentwicklung schritthalten kann. Ein Lexikon ist schließlich kein Alltagsprodukt, das man im Verlag “mal eben” ins Programm schiebt wie die siebzehnte Folge der neuesten Arztroman-Serie.

    Um so angenehmer überrascht es den Leser dann, wenn er im reichen Angebot des Werks auf solche doch immerhin noch ziemlich neue, aber bereits weitverbreitete Begriffe wie “Girlie”, “Cyberspace” und “Zappen” stößt: Nicht etwa, daß die hier nichts zu suchen hätten, ganz im Gegenteil – aber der hohe Aktualitätsgrad ist doch einigermaßen überraschend.

    Weitere Funde, die in Konkurrenzwerken nicht immer selbstverständlich sind: “Scharia”, “fully fashioned”, “Eurovision”, “eurozentrisch” oder auch “RAM” (wobei allerdings merkwürdigerweise ein Querverweis von und zu “Random-Access-Speicher” fehlt – letzterer muß auch ohne Erwähnung des üblichen RAM-Akronyms auskommen).

    Hier hat offensichtlich eine Redaktion mal wirklich ihre Hausaufgaben gemacht und speist ihre Leser nicht kaltschnäuzig mit Hausmannkost und völlig aus dem Sprachgebrauch gefallenen Begriffen von Anno Tobak ab. “Chat” und “Hard Disk” fehlen ebensowenig wie “Hardcoreporno”. Auch “Gay”, “World Wide Web”, “WYSIWYG”, “XXL”, “Ecstasy” (nebst referenzierter Szene-Abkürzung “XTC”) und “Methadon” wird man nicht vergebens suchen – bis zu “Hype”, “Hypertext”, “HTML”, “Style sheet”, “Workaround” oder “Gangbang” reicht die Aktualität allerdings dann doch wieder nicht.

    Vieles bleibt leider, wie bei allen derartigen Werken, ziemlich vordergründig bis unfreiwillig komisch: Beim Nachschlagen des Begriffs “Schamane” mit der Bedeutung “asiatischer Zauberpriester” abgespeist zu werden, dürfte jeden Kenner der Materie hochherzigerweise amüsieren, schlimmerenfalls aber auch gehörig vergrätzen. Und wem für “offshore” die sicher nicht falsche, aber leider nun einmal hoffnungslos unvollständige Erklärung “vor der Küste, im Meer” genügen soll, das bleibt wohl auf alle Zeiten das Geheimnis der Langenscheidt-Redaktion. Dafür darf man sich dann mit der Referenzierung der “Trial-and-Error-Methode” trösten, auch wenn die in einem derartigen lexikalischen Unterfangen zwar erwähnt, aber deshalb doch nicht gleich praktisch angewandt werden sollte.

    Nicht nachvollziehbar auch, weshalb ein zwar altehrwürdiger, aber immer noch alles andere als unaktueller Begriff wie “Balkanisierung” keinen Eingang mehr in die Sammlung finden durfte. Aber das sind vor dem Hintergrund der allgemeinen gebotenen Leistung allenfalls Petitessen (Begriff im Buch nachgewiesen!), die dem positiven Gesamteindruck keinen ernsten Abbruch tun.

    Streiten mag man sich allerdings darüber, ob es unbedingt sein mußte, bereits die reformierte Duden-Rechtschreibung zu übernehmen. Schließlich ist es ja so ausgemacht noch nicht, daß dieser schlampige, widersprüchliche und von der allgemeinen Akzeptanz her nur von der Überheblichkeit deutscher Kulturbürokraten getragene Un-Entwurf sich wirklich durchsetzen wird.




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