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    Startseite [ver. 03.04.03) vom [2005-11-23]  © 1996-2007 copyright by Verlag Ralph Tegtmeier Nachf. URL: http://confidenz-depesche.com Seitenende






    Rezensionen

    “ Man gönnt sich ja sonst nichts!”


    Buch gleich hier portofrei ordern!

    Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG [Hrsg.],
    DUDEN – ZITATE UND AUSSPRÜCHE (Band 12).
    Herkunft und aktueller Gebrauch

    Mannheim: 2002, 960 Seiten, Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG
    EUR 21,50/CHF 37,90
    ISBN: 3411041226

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    (mp) Wozu Zitate und bekannte Aussprüche gut sein sollen? Das wird in der Einleitung dieser zweiten, neu bearbeiteten und aktualisierten Auflage aus der zwölfbändigen Standardreihe gleich zu Anfang klargestellt: Nicht jeder Texter oder Redner vermag sein Publikum mit leicht verständlichen und zudem noch prägnanten Worten in seinen Bann zu ziehen. Da greift der eine oder andere dann doch lieber zur Bibel (“Im Anfang war das Wort”) oder einem viel zitierten Werbespruch, der zum geflügelten Wort geworden ist (“Nicht immer, aber immer öfter”), um eigene Gedanken zugespitzt oder auch spaßig formuliert ausdrücken zu können. Und wer nicht genügend Zitate im Kopf hat, soll sich eben dieses Werkes bedienen, um die eigene Rede gekonnt zu schmücken oder zu bereichern.

    Durch und durch dudenwürdig bleibt es in der Einleitung selbstverständlich nicht bei der bloßen Werbung. Nach einem Überblick über die Geschichte des Zitierens im Mittelalter, zur Zeit des Humanismus, des Barocks und der Aufklärung bis zur Klassik kommt auch das geflügelte Wort zum Zuge, das auf den griechischen Dichter Homer zurück geht. Dieser hatte in seinen Werken “Ilias” und “Odyssee” den Ausdruck über hundertmal verwendet, um damit Worte zu bezeichnen, die vom Munde des Redners zum Ohr des Angesprochenen “fliegen”. Geflügelte Worte – populär geworden durch August Georg Büchmanns 1864 erstmals erschienene Sammlung – sind Zitate, die über einen längeren Zeitraum allgemein verwendet werden, eine gewisse Aktualität besitzen und zumindest mit hoher Wahrscheinlichkeit auf eine historische oder literarische Quelle oder Person zurückzuführen sind.

    Im Gegensatz zu früheren Zeiten, als fehlerfreies Zitieren aus den wichtigsten Werken der großen Dichter dazu diente, die eigene Belesenheit hervorzustreichen und Bildungsniveau zu demonstrieren, wird im heutigen Sprachgebrauch vielfach auf neuere Zitatgeber zugegriffen, wie beispielsweise auf Buch-, Film- und Liedertitel, Werbeslogans und Aussprüche von Prominenten aus Politik und Sport. Auch dieser “saloppere” Umgang mit Zitaten, der auch vor witzig-frechen Veränderungen nicht halt macht, findet seinen Niederschlag in diesem Duden, der sich zweigeteilt präsentiert.

    Im ersten Teil “Herkunft und Verwendung der im Deutschen gebräuchlichen Zitate” werden abgesehen von deutschen Bonmots auch lateinische Zitate (O tempora, o mores), französische (Chacun à son goût), italienische (Così fan tutte) und englische (A star is born) zu geflügelten Worten gewordene Redewendungen alphabetisch geordnet aufgelistet. Die ausführlichen Erläuterungen von Ursprung, Zusammenhang und heutigem Gebrauch sollen dem Leser die Verwendung der Aussprüche in Reden und Texten erleichtern. Hier allerdings darf nicht unerwähnt gelassen werden, daß die oberlehrerhaften Gebrauchsanleitungen den Leser oft wie einen Trottel dastehen lassen. So muß man sich denn beispielsweise über den Ausruf “Ach, es geschehen keine Wunder mehr!” aus dem dritten Auftritt des Prologs von Schillers “Jungfrau von Orleans” noch sagen lassen: “Als Zitat können die Worte Resignation ausdrücken, sie können zum Beispiel in der Überzeugung gesprochen werden, dass die Lage aussichtslos sei oder dass etwas nur mit viel Mühe und großer Anstrengung zu bewältigen sei.” Weder ein Kompliment an die angesprochene Leserschaft noch an die Dudenredaktion.

    Zusammen mit dem zweiten Teil, der eine thematische Sammlung weniger gebräuchlicher Zitate, Sentenzen, Bonmots und Aphorismen bietet, die abgesehen von der Quellenangabe, nicht weiter erörtert werden, hält der Leser ein Potpourri in Händen von Nowaczynskis “Wer Sümpfe trockenlegen will, fragt nicht unbedingt die Frösche, nicht einmal die mächtigsten, ob sie es erlauben” über Schillers “Was wolltest du mit dem Dolche, sprich!” bis zu Strassmanns Schlagertitel “Wer hat den Käse zum Bahnhof gerollt?” und Wedekinds “Ich hab meine Tante geschlachtet.” Insgesamt sind es rund 7.500 Zitate von der klassischen Antiken bis zur modernen Werbesprache, die hier gewissermaßen unter einen Hut gepackt werden.

    Unverständlich bleibt freilich, weshalb in diesem zweiten Teil des Buchs, der trotz seines Umfangs von immerhin 281 Seiten auch als Anhang bezeichnet wird, nicht wenige Zitate und Aphorismen auftauchen, die schon im ersten ausführlich erklärt wurden. Wenn es denn wirklich um die Auffindbarkeit der einzelnen Zitate gegangen wäre, hätte ein doppelbändiger Duden entstehen müssen - einmal alphabetisch und einmal thematisch geordnet. So gestaltet sich die Suche nach einem bestimmten Zitat trotz angekündigter Benutzerfreundlichkeit doch eher schwierig. Wo finde ich das Schillerzitat “Der brave Mann denkt an sich selbst zuletzt”? Unter dem Thema “Mann”? Oder eher unter “Denken”, “Altruismus” oder gar unter “Manieren”, wo der Leser dann auf die “Umgangsformen” verwiesen wird? Vielleicht im alphabetisch geordneten Teil unter “D”, “B” oder “M”? “Suchet, so werdet ihr finden.” (Matthäus 7,8)

    Als Lückenbüßer sind die Doppelgänger erst recht unnötig, denn um diese 960 Seiten – oder auch mehr – zu füllen, hätte es doch noch haufenweise andere Zitate gegeben, die aufzuführen wert gewesen wären. Nicht daß es um die Vollständigkeit ginge, denn alles, was jemals gesagt oder geschrieben wurde, könnte letztendlich zum Zitat werden, würde es nur geschickt genug unter die Leute gebracht.

    Churchill und Goebbels beispielsweise, zwei viel zitierte und ausgesprochen redefreudige Männer, werden in diesem Duden mit keinem Wort erwähnt oder gewürdigt. Und so bleibt uns auch die Dudenredaktion die klärende Antwort auf die quälende Frage schuldig, von wem denn nun dieses berühmte und an Aktualität kaum zu übertreffende Zitat tatsächlich stammt: “Ich glaube keiner Statistik, die ich nicht selbst gefälscht habe.” Ob es dieser resignierende, aus Goethes Feder stammende Seufzer gewesen sein mag “Ach, ich bin des Treibens müde!”?

    Apropos Goethe: Im vorliegenden Werk sind an die 500 Goethe- und über 300 Schillerzitate zu finden. Abgesehen von der Bibel sind diese beiden damit die eindeutigen Spitzenreiter unter den “Spruchlieferanten”. Trotzdem ist man nach wie vor gut beraten, was die klassischen Zitate betrifft, sich zumindest zusätzlich Büchmanns umfangreichen Band “Geflügelte Worte” vorzuknöpfen.

    Wie schwierig es ist den Menschen zufriedenzustellen, wußte schon Goethe, der schrieb: “Sucht nur die Menschen zu verwirren, sie zu befrieden ist schwer.” Darum sei, bei aller erforderlichen Kritik, jedem das Schmökern in diesem Duden Band 12 empfohlen. Das Stöbern macht nämlich nicht nur Spaß, sondern hat auch vom sprachwissenschaftlichen Aspekt her einiges zu bieten. Allein die im ersten Teil des Werkes beschriebenen Veränderungen im Sinngehalt und die Abwandlungen im Wortlaut, welche viele Zitate und Aussprüche im Laufe der Zeit erfahren haben, zeigt einem allzu deutlich auf, wie es um das eigene Allgemeinwissen steht. “Und das ist gut so!” (Berliner SPD-Politiker Klaus Wowereit auf dem Sonderparteitag am 10. Juni 2001 – wenn das nicht für die Aktualität dieser Dudenausgabe spricht!). Und daraufhin wird doch der eine oder andere bemerken: “Es gibt noch viel zu tun. Packen wir's an!” (Esso AG Werbeslogan, 1974)



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