StartseiteSTART Portalseite PORTALE HotNews hier! Nur für Abonnenten ABO Suchen SUCHE Wir über uns - nebst Impressum WIR Online bestellen kinderleicht ORDER Email an uns EMAIL USA Shopping Center  USA Shop
    Startseite [ver. 03.04.03) vom [2005-11-23]  © 1996-2007 copyright by Verlag Ralph Tegtmeier Nachf. URL: http://confidenz-depesche.com Seitenende






    Rezensionen

    Der Appetit kommt beim Essen


    Buch gleich hier portofrei ordern!

    Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG [Hrsg.],
    DUDEN – REDEWENDUNGEN (Band 11).
    Wörterbuch der Idiomatik

    Mannheim: 2002, 960 Seiten, Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG
    EUR 21,50/CHF 37,90
    ISBN: 3411041129

    Hier können Sie das Buch gleich portofrei bestellen!

    (mp) Als Redewendung, Redensart, idiomatische Wendung, feste Wendung, Idiom, Phraseolexem oder Phraseologismus wird von Sprachwissenschaftlern eine “vorgeformte”, nicht frei gebildete Wortkette bezeichnet. Die Bedeutung dieser sprachlichen “Fertigbausteine” ist nicht oder nur teilweise aus den Einzelbedeutungen ihrer Bestandteile zu erkennen und hat in der Regel eine feste, nur sehr begrenzt veränderbare Struktur. Eine Redewendung ist demnach nur selten wörtlich zu nehmen. Oder haben Sie schon “richtige” Eulen nach Athen getragen oder jemandem eine “echte” goldene Brücke gebaut?

    In der neu bearbeiteten und aktualisierten zweiten Auflage des Wörterbuches der Idiomatik finden sich über 10.000 Sprichwörter und Redensarten. Durch die Auswertung neuer Quellen – auch des Internets – sind 880 neu dazugekommene Redewendungen untergebracht, dazu gehören beispielsweise die Kuh vom Eis holen, lass stecken oder bis der Arzt kommt. Wer bei diesen und anderen Redensarten Tomaten auf den Augen hat oder nur Bahnhof versteht, sie aber dennoch richtig begreifen und auch anwenden will, der ist sowohl als eingefleischter Deutscher, Österreicher oder Schweizer wie auch als fortgeschrittener “Deutschlerner” beim Duden der deutschen Idiomatik an der richtigen Adresse.

    Hier sind nicht etwa nur die im deutschsprachigen Raum geläufigsten Idiome und Sprichwörter alphabetisch geordnet aufgeführt, sondern auch solche, die als eher ’veraltet’ gelten (per annum – jährlich) oder als ’veraltend’ eingestuft werden (jemanden zu Paaren treiben – jemanden in die Enge treiben). Andere “Gebrauchsmarkierungen”, welche die angemessene Verwendung der Phraseologismen erleichtern sollen, sind: Papierdeutsch, Amtssprache, Kaufmannssprache, Bergmannssprache, Seemannssprache, bildungssprachlich, gehoben, familiär, scherzhaft, salopp, abwertend, verhüllend, derb und vulgär.

    Alle Einträge werden in ihrer Bedeutung und anhand eines oder auch mehrerer Beispiele in ihrer Anwendung erklärt. Wo gesicherte oder plausible sprachhistorische Erkenntnisse vorliegen, wird auch die Herkunft der Idiome aufgedeckt. Hier wird dann beschrieben, worauf sich die Wendung ursprünglich bezogen hat und was sie zunächst bedeutet hat. Das gibt dem Leser die Gelegenheit, den volkskundlichen und kulturhistorischen Hintergrund kennenzulernen.

    Da wird doch der eine oder andere große Augen machen oder gar die Maulsperre kriegen, wenn er beispielsweise der Redensart mit Hängen und Würgen – mit größter Mühe – mit Hilfe des Dudens auf den Grund geht. Die ältere Form dieser Wendung lautete zwischen Hängen und Würgen und bedeutete ursprünglich “im letzten Augenblick”, dann nämlich, wenn der zum Tode Verurteilte bereits am Strang hing, aber noch nicht erstickt war. Erst im 19. Jahrhundert trat die Präposition “mit” an die Stelle von “zwischen”.

    Auf nationale und regionale Besonderheiten wird speziell verwiesen. Aus Österreich stammen beispielsweise die Redewendungen Schnittlauch auf allen Suppen sein – überall dabei sein, mitreden wollen – und Pflanz deine Großmutter! – halt jemand anderen zum Narren, aber nicht mich! Aus der Schweiz: Am heiterhellen Tag – unerwarteterweise (allen sichtbar) mitten am Tag – und etwas zu Boden reden – etwas gründlich besprechen. Als berlinerisch und mit dem Vermerk “salopp” wird folgendes Idiom verzeichnet: jemandem auf den Docht gehen, was soviel heißt wie jemandem lästig werden.

    Als ausgesprochen benutzerfreundlich können die Querverweise bezeichnet werden, welche die Suche nach bestimmten Redensarten erheblich erleichtern umd zum Schmökern verlocken. Wer beispielsweise die Flöhe husten hören möchte, findet sowohl unter husten als auch unter hören den Hinweis, daß diese Wendung unter dem Stichwort Floh zu finden ist.

    Laut Dudenredaktion verzeichnet dieses Wörterbuch “die heute geläufigen und überregional bekannten Redewendungen, Redensarten und Sprichwörter der deutschen Sprache” und erhebt damit nicht ausdrücklich Anspruch auf Vollständigkeit. Und das ist auch gut so, denn wer nur eindringlich genug danach sucht, der findet natürlich auch manche Lücke. Um nur ein Beispiel zu nennen: Den Krähen rufen ist in der Schweiz – trotz des schweizerischen, grammatikalisch gesehen "falschen" Dativs – ein gebräuchlicher Ausdruck für erbrechen. In diesem Werk: Fehlanzeige.

    Da es aber nichts gibt, was ohne Fehl und Tadel wäre, ist das freilich noch lange kein Grund, auf dieses Nachschlagewerk zu verzichten. Man müßte sozusagen mit dem Klammerbeutel gepudert sein, wenn man sich das Stöbern in einem der interessantesten, kreativsten und unterhaltsamsten Bereiche der Sprache versagen würde und sich die Einblicke in sprach- und kulturgeschichtliche Entwicklungen entgehen ließe.



    Seitenanfang    Kategorie-IndexKategorie-Index 

    [Datei: cd0203rez02.html]