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    Startseite [ver. 03.04.03) vom [2005-11-23]  © 1996-2007 copyright by Verlag Ralph Tegtmeier Nachf. URL: http://confidenz-depesche.com Seitenende






    Rezensionen

    Ordnung im Zahlen-Dschungel


    Buch gleich hier portofrei ordern!

    Statistisches Bundesamt Wiesbaden [Hrsg.],
    Statistisches Jahrbuch 2001.
    Band I Für die Bundesrepublik Deutschland. (762 Seiten)
    Band II Für das Ausland. (412 Seiten)

    Stuttgart: 2001, Metzler-Poeschel
    EUR 80,78 (inklusive CD-ROM; Dateiformat pdf)
    ASIN: 3824606399

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    (mp) Das Statistische Jahrbuch zeigt sich diesmal in neuem Design, “um”, so Johann Hahlen, Präsident des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden im Vorwort “seine Kunden mit einem einheitlichen Erscheinungsbild anzusprechen”. Inhaltlich soll auch diese Ausgabe wiederum über die aktuellen Verhältnisse im Inland und im Vergleich mit dem Ausland informieren und richtet sich als umfassendes Nachschlagewerk an alle, die an einem “fundierten, realistischen und objektiven” Bild Deutschlands interessiert sind.

    Das riesige Datenangebot über Zustand und Entwicklung von Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt hat sich im Vergleich zum letzten Jahrbuch sogar noch vergrößert. So wurden unter anderen beispielsweise Abschnitte wie “Erwerbstätigkeit”, “Wahlen”, “Unternehmen” und “Land-, Forstwirtschaft und Fischerei” durch weitere Statistiken ergänzt.

    Der erste Band befaßt sich ausschließlich mit Deutschland. Sauber und übersichtlichen geordnet in siebenundzwanzig Kapitel verspricht dieses Statistikbuch den vollkommenen Durchblick, was Handel und Wandel in Deutschland betrifft. Ob Ihr Interesse eher geografischen und meteorologischen Angaben, der Bevölkerung, den Wahlen, den kirchlichen Verhältnissen oder der Land- und Forstwirtschaft, der Bautätigkeit, dem Handel, dem Verkehr oder den Wirtschaftsrechnungen und Zahlungsbilanzen gilt, um nur einige zu nennen: Es scheint nichts zu geben, was sich nicht auch statistisch aufarbeiten und verwerten ließe.

    Wie beinahe jedes Kapitel ist auch die “Rechtspflege” mit an die zwanzig Seiten vertreten. Wieviele Strafgefangene sitzen in welchem Bundesland ein? Wie alt sind sie, weshalb wurden sie verurteilt, wie lange dauert der Vollzug, waren sie schon vorbestraft? Wie sieht es aus mit der Belegungsfähigkeit und der Belegung der Justizvollzugsanstalten?

    Unter “Kultur, Freizeit und Sport” finden sich nicht nur die Museen nach Ländern und Trägern und die Anzahl der Besucher nach Museumsart aufgelistet – die Volks- und Heimatkundemuseen scheinen übrigens die eindeutigen Spitzenreiter zu sein –, sondern auch die Buchproduktionen nach Sachgebieten. Demzufolge sind die Sozialwissenschaftler weitaus fleißigere Schreiber als die auf dem zweiten Rang rangierenden Literaturwissenschaftler. Die Literaturwissenschaft wird, nebenbei bemerkt, mit der Belletristik unter einen Hut gepackt, was vielleicht der Übersichtlichkeit dient, nicht aber dem Leser, der sich nun ganz speziell für eine dieser beiden Zahlen interessiert.

    Für Sportinteressierte: Selbst den Sportabzeichenverleihungen und Wiederholungsprüfungen des Deutschen Sportbundes ist eine kleine Statistik gewidmet. Und auch wenn die meisten Tabellen sich mit den aktuellen Daten der letzten zwei bis drei Jahre befassen, scheut sich das Statistische Bundesamt nicht, einen Griff in die Vergangenheit zu tätigen: Die deutschen Teilnehmer und Teilnehmerinnen an den Olympischen Spielen seit Athen 1896 sind in Zahlen mit Gold-, Silber- und Bronzemedaillen aufgelistet. Damals, in der guten alten Zeit, holten sich die 19 deutschen Teilnehmer sage und schreibe 15 Medaillen. Von den Sommerspielen in Sidney 2000 hingegen brachten die 428 Sportler “nur” 56 Metallplaketten nach Hause. Prozentual gesehen ein katastrophaler Abstieg, aber eben: Eine Statistik sagt wenig über die näheren Umstände aus.

    Die erste Hälfte des zweiten Bands befaßt sich mit der Stellung Deutschlands im Vergleich zu den Partnerländern der Europäischen Union, während die zweite, “Internationale Übersichten”, auf der Grundlage weltweiter, aktueller Ländervergleichstabellen die politischen, sozio-demographischen, kulturellen, wirtschaftlichen, infrastrukturellen und ökologischen Aspekte darlegt.

    Beide Bände sind lobenswert benutzerfreundlich: Um dem interessierten Leser die Suche zu erleichtern, beginnt jedes einzelne Kapitel mit einer Übersicht über die vorhandenen Statistiken und dem Abschnitt “Vorbemerkungen”, in denen jeweils fachliche Begriffe näher erläutert werden. Für eventuelle Nachfragen ist hier mindestens ein Mitarbeiter namentlich (mit Telefonnummer und Emailadresse) aufgeführt, was sich bei spezifischen Recherchen als äußerst nützlich erweisen kann. Damit nicht genug: Jedes Kapitel endet mit Hinweisen auf Werke oder Adressen, die als “Fundstellen und weiterführende Informationen” bezeichnet werden.

    Während das Vorwort, das Inhaltsverzeichnis, die allgemeinen Vorbemerkungen, die Abkürzungen und Zeichenerklärungen in beiden Bänden sowohl in Deutsch als auch in Englisch vorhanden sind, finden sich in den Statistiken keine englischen Übersetzungen. So steht dann beispielsweise in Band II für die englischsprachigen Leser zum Stichwort Euro: “For futher information see p. 35.” Dort aber wird nur deutsch gesprochen! In den Tabellen ist diese Unterlassung zwar aus Gründen der Übersichtlichkeit durchaus verständlich, wirft aber die Frage auf, weshalb überhaupt die englischsprachigen Beiträge aufgenommen wurden. Denn gerade das unverkennbare Beamtendeutsch ist selbst für Einheimische oft nur schwer verständlich. Oder wissen Sie vielleicht auf Anhieb, was mit “Bauüberhang”, “Begabtenförderungswerke”, “Bewährungsaufsichten nach Unterstellungsgründen oder nach Beendigungsgründen” oder gar mit “Gebietskörperschaften” gemeint sein soll?

    Die Fülle an Daten legt nahe, daß es kein Detail zu geben scheint, das sich nicht in Tabellen oder Grafiken darstellen ließe. So finden beispielsweise selbst Musikinstrumente, Hüte und Bleistifte sowohl in der Import- als auch in der Exportstatistik Erwähnung. Auf der Website des Statistischen Bundesamtes http://www.destatis.de findet sich der Satz: “Das Statistische Bundesamt veröffentlicht bundesweite Ergebnisse meist in tieferer sachlicher Gliederung, dafür im allgemeinen nur in begrenzter regionaler Differenzierung.” Diese detaillierte Fächerung führt allerdings dazu, daß manchmal vor lauter Bäumen der Wald nicht mehr gesehen wird – oder vielleicht auch nicht gesehen werden soll. Es mag ja durchaus sein, daß nicht unbedingt in allen Bereichen ein Interesse besteht, sogenannte “harte” Fakten in Statistiken auftauchen zu lassen.

    Wer sich beispielsweise für das Rüstungsgeschäft interessiert, wird seine Überraschungen erleben: Weder im Sachregister noch in den diversen Import- und Exportstatistiken taucht dieser Begriff auf. Bei der Volltextsuche der CD-ROM steht dann nach längerer Wartezeit lakonisch: “Keine Fundstelle für Rüstung im Dokument”. Und nur wenn unter dem Suchbegriff Waffen die Groß/Kleinschreibung offengelassen wird, stößt man auf drei Treffer, wobei aber jedesmal die Jagd- und Sportwaffen auftauchen, zweimal bei “Messen und Ausstellungen” und einmal bei der Auflistung der “Mitgliedsverbände des Bundesverbandes des Deutschen Groß- und Außenhandels”. In Statistiken läßt sich eben auch vieles verstecken, beispielsweise unter “Herstellung von Metallerzeugnissen”, “andere Metallwaren”, “Maschinen, Apparate usw. für verschiedene Zwecke”, “Großhandel mit Maschinen, Ausrüstung und Zubehör”, “Halbwaren” oder unter “sonstige Enderzeugnisse”.

    In diesem Bereich fährt der interessierte Leser vielleicht besser, wenn er sich anderen Jahrbüchern zuwendet, wie beispielsweise denen von sipri, dem Stockholmer Friedensforschungsinstitut – Stockholm International Peace Research Institute –, anstatt die Mitarbeiter des Statistischen Bundesamtes mit entsprechenden Anfragen zu belästigen. Und dann gibt es ja auch noch den Rüstungsexportbericht der deutschen Regierung.

    Trotzdem sich die dem Gesamtwerk beigelegte CD-ROM im Acrobat-PDF-Format bei der Volltextsuche also durchaus als hilfreich erweisen kann: Bei den zum Teil über zwei Seiten gehenden Tabellen verliert man vor lauter Scrollen leicht den Überblick, was einem bei der gedruckten Ausgabe nicht so schnell widerfahren kann.

    Wer den Umgang mit Statistiken, Statistiken und noch mehr Statistiken, mit Zahlen, Zahlen und noch mehr Zahlen nicht scheut, bereit ist, zwischen den Zeilen zu lesen, und stets im Hinterkopf behält, daß Statistik ein Verfahren ist, “welches gestattet, geschätzte Größen mit der Genauigkeit von Hundertstelprozent auszudrücken”, wie es der deutsche Mathematiker und Wirtschaftswissenschaftler Helmar Nahr ausdrückt, hält mit diesen zwei Bänden eine wahre Fundgrube visualisierter Assoziationen in Händen, in der es zu Wühlen allemal lohnt.

    Ob man damit allerdings zu einem “fundierten, realistischen und objektiven” Bild Deutschlands kommt, bleibe dahingestellt. Das Zitat “Ich glaube keiner Statistik, die ich nicht selbst gefälscht habe”, wird zwar zumeist Churchill in den Mund gelegt; in den überaus umfangreichen Churchill-Archiven in England soll sich jedoch kein einziger Beleg dafür finden lassen. In Goebbels-Reden hingegen taucht dieser Ausspruch mehrfach auf.

    Übrigens sind sowohl die beiden Bände als auch die CD-ROM einzeln erhältlich:
    Band I Für die Bundesrepublik Deutschland – ISBN: 3824606402/EUR 65,45
    Band II Für das Ausland – ISBN: 3824606410/EUR 29,14
    CD-ROM – ISBN: 3824606429/EUR 25,05



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