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    Startseite [ver. 03.04.03) vom [2005-11-23]  © 1996-2007 copyright by Verlag Ralph Tegtmeier Nachf. URL: http://confidenz-depesche.com Seitenende






    Rezensionen

    Fakten-Spiegel


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    SPIEGEL ALMANACH 2001.
    Hamburg: 200, 640 Seiten, SPIEGEL Buchverlag und Hoffmann Campe Verlag Hamburg
    EUR 25,95
    ISBN: 3455150330 (Buch mit CD-ROM)

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    (mp) Noch präziser und noch umfassender sei der dritte Spiegel Almanach geworden, schreibt der verantwortliche Redakteur Heinz P. Lohfeldt. Das unveränderte Gebot der Aktualität freilich war es, das die Präsentation auf der Frankfurter Buchmesse weniger wichtig erscheinen ließ als die Dokumentation zweier Großereignisse im Herbst 2000 – die Olympischen Sommerspiele in Sydney und die Präsidentschaftswahlen in den USA.

    Das verschobene Erscheinungsdatum hatte übrigens nicht nur zur Folge, daß sowohl der Umsturz in Jugoslawien als auch die spätherbstlichen Entwicklungen im Nahen Osten “eingefangen” werden konnten, sondern daß der Leser nicht mal hier um den “Fall Daum” herumkommt.

    Im diesem Jahrbuch finden sich wiederum eine “Chronik” der wichtigsten Ereignisse (diesmal vom 3. Oktober 1999 bis zum 23. Oktober 2000); die “Themen des Jahres” – von Harry Potter bis zur Genetik, von der Rechtschreibreform über die Kampfhunde bis zum CDU-Spendenskandal; “Personen des Jahres” – von Lance Armstrong bis Eldrick (“Tiger”) Woods, sowie Nachrufe auf in den vergangenen 12 Monaten verstorbene, bedeutende Persönlichkeiten.

    Der Sonderteil über “Die Olympischen Sommerspiele von 1896 bis 1996” bietet einen zusammenfassenden Rückblick. Abgesehen von der “Galerie der Sieger” lassen sich hier einige geschichtliche Fakten finden, die den einen oder andern zum amüsierten Schmunzeln oder zum baß erstaunten Kopfschütteln bewegen könnten. Bei den Spielen von St. Louis (1904) beispielsweise war einer der Marathonläufer ein Drittel der Strecke mit dem Auto gefahren. Die Schwimmer standen beim Start auf einem Floß, das sich unter ihrem Gewicht unter den Wasserspiegel senkte. Zum erstenmal waren auch farbige Athleten am Start, was zu offener Rassendiskriminierung in Form der sogenannten “Anthropologischen Tage” führte. Der Schwarze George Poage (USA) gewann gleich 2 Bronzemedaillen bei den Laufwettbewerben. Und der für die USA gestartete gebürtige Engländer Thomas Hicks sorgte für den ersten Dopingfall in der Geschichte der Olympischen Spiele. Von seinem Trainer erhielt er während des Marathonlaufs zweimal ein Tausendstel Gramm Strychnin, kombiniert mit Eiern oder Brandy. Die belebende Wirkung soll Hicks als Sieger ins Ziel getrieben haben. Der Trainer gab stolz das Geheimnis preis, von einer Disqualifizierung wurde nicht gesprochen.

    Aus Gründen der Übersichtlichkeit werde in der Tabelle “Die Welt in Zahlen” auf die Angabe von Jahreszahlen verzichtet, steht in der Erläuterung geschrieben. Das aber heißt für den Leser, daß er diese Informationen nur in Kombination mit der entsprechenden Länderbeschreibung nutzen kann, wo er dann mühsam ausklamüsern kann, wie aktuell oder wie veraltet die Angaben denn nun wirklich sind.

    Überhaupt fragt man sich, was von einer Tabelle zu halten ist, die der Übersichtlichkeit wegen “geschönt” wurde. So kann sich denn der Vatikan, der Winzling unter den Staaten, unverhofft um mehr als das Doppelte auf einen ganzen Quadratkilometer ausdehnen, wo er in Wirklichkeit doch gerade mal 0,44 km² umfaßt. Übersichtlich und schön, diese 1, aber leider völlig falsch. Böse Zungen behaupten gar, solcherart kreativ ausgestaltete Fakten seien eines der wesentlichsten Merkmale, das den SPIEGEL überhaupt ausmache …

    Nachschlagewerke kann man nicht genug besitzen, und je mehr man davon hat, desto besser lassen sich Vergleiche ziehen, aus denen man zwangsläufig lernt, daß stets ein vorsichtiger Umgang mit sogenannten Fakten geboten ist. Hier wie dort wird man dabei auf Informationen stoßen, die zwar nicht unbedingt geschönt, aber trotzdem falsch sind. Die Telefonvorwahl des Fürstentums Liechtenstein lautet beispielsweise seit dem 5. April 1999 “+423” und nicht mehr “+41”. Um auch den schlafmützigsten Ausländern die Möglichkeit einer telefonischen Kontaktnahme nicht zu verwehren, war das Ländle eineinhalb Jahre lang sowohl unter der alten (schweizer) Vorwahl als auch unter der neuen zu erreichen. Damit ist aber seit Oktober 2000 endgültig Schluß.

    Wenn man sich jedoch bei der Informationssuche nicht allein auf diesen Almanach verläßt – der Fischer Weltalmanach bietet da eine nützliche Ergänzung –, kann dieses übersichtlich geordnete Jahrbuch durchaus als Fundgrube von Zahlen, Fakten, Daten und Bildern (1.500 sollen es sein!) bezeichnet werden. Allein das Bild von US-Expräsident William Jefferson Clinton auf dem Golfplatz – mit Zigarre im Mund – kann als historisch wertvoll bezeichnet werden. Mag sein, daß er in die Geschichte eingehen wird, als der Mann, der Marihuana niemals inhalierte und der auch niemals, na, Sie wissen schon …

    Die ganzseitigen Werbeeinlagen hingegen sind bei einem Nachschlagewerk nicht nur lästig, sondern eindeutig fehl am Platz. Um diese kommt man freilich herum, wenn man sich der CD-ROM bedient, die – genau wie das Buch – auch einzeln (je DEM 29,90) erhältlich ist.

    Wer also nicht lieber etwas zum Blättern in der Hand hält, kann sich getrost mit der CD-ROM begnügen, denn auf dieser ist alles drauf, was im Buch drin ist, und sogar etwas mehr: Die Nationalhymnen aller Länder sind als Audio-Beiträge beigegeben. Ein echt erhabener Hörgenuß, der aber auch getrost als Gag bezeichnet werden kann.

    Die CD-ROM-Suchfunktion hat freilich wie überall ihre Macken. So findet man beispielsweise unter “Steuerparadies” nur einen einzigen Beitrag – Luxemburg –, obwohl die Optionen “Wortstamm” und “Bedeutungsverwandte Begriffe” versprechen, auch die 4 Beiträge “Steuerparadiese” – Barbados, Andorra, Äquatorialguinea und OECD – und die 4 Beiträge “Steueroase(n)” – San Marino, Grenada, OECD und Monaco – zu liefern. Bei jedem dieser Suchbegriffe müßten, ginge denn alles mit rechten Dingen zu, alle 8 Beiträge aufgelistet werden. Bei der Printversion (neudeutsch für “Buch”) allein wäre man bei dieser Suche freilich völlig aufgeschmissen; denn im Register, das sich vor allem auf Personen, Städte und Länder bezieht, findet sich kein einziger dieser Begriffe.




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