Joachim Heimannsberg:
BROCKHAUS!
Merkwürdiges, Kurioses und Schlaues; was so nicht im Lexikon steht.
Leipzig: 1997, 256 Seiten, Mannheim: Brockhaus
DEM 14,90/CHF 14.-/ATS 109.-
ISBN: 3765315524
(mp) Nicht daß dieser BROCKHAUS nicht auch beschlauen möchte, aber die Antworten auf die hier gestellten, lebenswichtigen Fragen, finden Sie so in keinem Lexikon.
Kein aufgeweckter Zeitgenosse kommt um die größten Rätsel unseres Universum herum, die da lauten:
Warum wachsen Fingernägel schneller als Fußnägel? Wie kam es dazu, daß der Mensch im Laufe der Evolution die Ganzkörperbehaarung verlor? Warum poppt Popcorn? Wer erfand den Phantasietitel Erzherzog? Was machte den Leuchtturm von Pharos so einzigartig? Welcher Schriftsteller war Augenzeuge des Untergangs von Pompeji? Warum hatten die Etruskerinnen bei Griechen und Römern einen solch schlechten Ruf? Wie teuer war eine Tulpenzwiebel in den 40er Jahren des 17. Jahrhunderts? Wie lange existierte der legendäre Pony-Expreß? Wer klaute die englischen Kronjuwelen aus dem Tower, und weshalb wurde der Dieb dafür auch noch belohnt? Warum sind Tennisbälle filzig?
Diese und weitere kopfzermarternde und weltbewegende Probleme werden in den Kapiteln Aus aller Welt, Aus der Tierprovinz, Histörchen, Eine Frage des Geschmacks, Alles erforscht und Was das Schreiben so lehrt gelöst.
Nichts kann einem mehr schlaflose Nächte bereiten nach der Lektüre dieses etwas anderen BROCKHAUS, und auf der Cocktailparty läßt sich das eine oder andere Fäktchen auch bravourös an den Mann oder an die Frau bringen.
Der Begriff Cocktail soll übrigens von einem französischen Offizier im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg kreiert worden sein. Irgendwo in Neuengland bewirtete die Kneipenbesitzerin Betsy Flanagan mit Vorliebe Soldaten der Rebellen. Eines Abends verzierte sie ihre neu komponierte Getränkemischung aus Rum und Fruchtsaft mit einer Feder aus dem Sterz (engl. tail) eines Hahns (franz. coq). Vive le coq's tail! soll der junge Rebellenoffizier vor Begeisterung ausgerufen haben, nachdem er vom Drink gekostet hatte.
Als Leckerbissen aus der Welt des Wissens werden die Kuriositäten und Merkwürdigkeiten von der Lexikonredaktion dargeboten und können durchaus als solche genossen werden. Wer aber die Idee gehabt hat, die kleinen, unterhaltsamen Wissensbrocken in Quizform und auf zwei Seiten verteilt zu präsentieren, gehört gelinde gesagt getadelt. Jeweils auf der rechten Seite findet der Wissenshungrige eine Frage, die er erst nach Umblättern der nächsten Seite beantwortet findet. Die Leserschaft besteht schließlich hoffentlich nicht nur aus eingefleischten Autisten, die mit sich selbst Rätselraten spielen möchten.
Ob die Geschichten alle wahr sind, kann selbst der eifrigste Skeptiker nicht ohne langwierige Nachforschungen überprüfen, weil nämlich nirgends ein Quellenhinweis zu finden ist.
Dieses Bändchen ist als erheiternde Bettlektüre wärmstens zu empfehlen. Wer freilich mit seinem Wissen prahlen möchte, dem sei zur Vorsicht geraten. Auf die Frage Woher wissen Sie das? mit einem einfachen Das habe ich gelesen zu antworten, beeindruckt schon lange nicht mehr. Denn daß Papier geduldig ist, weiß nicht nur jeder Zeitungsleser. Das weiß ich von BROCKHAUS! mag da als Antwort schon eher durchgehen.